Niemand mag dich, nur weil du Recht hast
Diesen Satz habe ich in einem Song gehört. Er ist aber auch die perfekte Grabrede für zu viele CPQ-Projekte.
Man liefert ein technisch perfektes, logisch korrektes System aus. Jeder Test wird bestanden. Und dann arbeitet der Vertrieb daran vorbei. Die Folge: niedrige Nutzerakzeptanz, eine Flut manueller Angebotsanfragen und Direktnachrichten wie: „Kannst du mir das mal schnell durchrechnen?“ Das Tool funktioniert. Das Team misstraut ihm.
Ich sitze seit dem Jahr 2000 in solchen Krisensitzungen, erst bei Tacton, heute bei cpq.se. Ich habe oft genug gesehen, wie ein makelloses Regelwerk zu einem Rechner wird, der nur ‚Nein‘ sagt. Das ist schmerzhaft, weil es vermeidbar ist.
Akzeptanz ist die einzige Kennzahl, die wirklich zählt.
Wo das eigentliche Problem liegt
Die Standarderklärung ist immer dieselbe: Der Vertrieb scheut Veränderungen, versteht die Logik nicht oder hängt an seinen alten Excel-Listen. Das höre ich jeden Monat – und es ist falsch.
Der Vertrieb zweifelt nicht an der Korrektheit. Er misstraut Blackboxen. Wenn eine Konfiguration ohne Begründung abgelehnt wird oder ein Preis ohne Erklärung aus dem System fällt, schafft das Unsicherheit. Und im provisionsbasierten Vertrieb bedeutet Unsicherheit Risiko.
Das Problem ist nicht der Anwender, sondern ein System, das sich nicht gut genug erklären kann, um Vertrauen zu verdienen. Wenn das Tool den Vertriebsmitarbeiter im Unklaren lässt, wird er es umgehen. Jedes einzelne Mal.
Der Vertrieb fürchtet nicht die Regeln. Er fürchtet, die Gründe nicht zu verstehen.
Wir vergessen oft, worum es bei CPQ wirklich geht. Ja, es geht um Korrektheit. Wer verkauft, was er nicht bauen kann, vernichtet Marge. Aber Korrektheit ist die Basis, nicht das Ziel. Das Ziel ist Vertrauen. Wir bauen nicht nur einen Taschenrechner, sondern einen verlässlichen Co-Piloten für komplexe Deals.
Ich erinnere mich an einen Rollout mit Tacton CPQ, bei dem die Logik perfekt war. Das Engineering war begeistert. Der Vertrieb nannte es nach einer Woche „die Falle“. Die Regeln stimmten, aber Fehlermeldungen kamen wie Urteile, nicht wie Erklärungen. Nachdem wir die Oberfläche so umbauten, dass sie bei jeder Blockade und jedem Preisschritt das „Warum“ anzeigte, stieg die Nutzung innerhalb von Tagen. Dieselben Regeln, aber ein völlig anderes Vertrauenssignal.
Regeln für ein vertrauenswürdiges System
Regel 1: Erklärbarkeit schafft Vertrauen. Zeigen Sie die Herleitung, nicht nur das Ergebnis. Wenn eine Konfiguration ungültig ist, muss das System sagen, welche Regel verletzt wurde und wie man das Problem behebt. Wenn ein Preis berechnet wird, müssen die Bestandteile sichtbar sein: Basispreis, Optionen, Rabatte. Der Vertriebler braucht einen Satz, den er dem Kunden sagen kann, ohne sich lächerlich zu machen.
Ein einfacher „Warum?“-Link neben jeder Preiskomponente oder Blockade wirkt Wunder. In einem Projekt konnten wir die Eskalationen halbieren, nur indem wir die Fakten hinter den Zahlen sichtbar machten.
Ein System, das sich nicht erklären kann, wird niemals Vertrauen gewinnen.
Anti-Pattern: Das Orakel. Ein System, das Antworten gibt, aber nie seine Rechenwege zeigt. Wirkt in Demos beeindruckend, scheitert aber in der Praxis.
Regel 2: Vertrauen vor Vollständigkeit. Besser ein kleinerer Funktionsumfang, der zu 100 % verlässlich und nachvollziehbar ist, als eine Komplettlösung, die Verwirrung stiftet. 60 % Abdeckung, die Vertrauen schafft, sind mehr wert als 100 %, die undurchsichtig bleiben. Der Vertrieb wird sich immer für das verlässliche und erklärbare System entscheiden.
Mein Rat: Beginnen Sie mit den 20 meistverkauften Konfigurationen. Sorgen Sie dort für eine lückenlose Preisaufschlüsselung und perfekte Erklärungen. Sobald der Vertrieb diesem Kern vertraut, erweitern Sie den Umfang. Ich habe Teams gesehen, die ihre Akzeptanz verdoppelt haben, indem sie den initialen Scope halbierten.
Anti-Pattern: Die eierlegende Wollmilchsau. Ein gigantischer erster Release, der im Projektplan heroisch aussieht, aber scheitert, weil niemand den Randfällen traut.
Regel 3: Für den Vertrieb unter Druck entwickeln. Ihr Anwender ist kein geduldiger Analyst. Er sitzt im Kundengespräch und braucht Geschwindigkeit, Klarheit und eine nachvollziehbare Fehlerbehandlung. Lange Ladezeiten sind tödlich, unverständliche Fehlermeldungen noch tödlicher. Verwenden Sie Klartext statt interner Modellnamen. Optimieren Sie den Weg zum sicheren Angebot, nicht den Weg zum perfekt modellierten Datenuniversum.
Ersetzen Sie kryptische Fehler wie „Regel C-117 verletzt“ durch „Motor M2 benötigt Drehstrom. Bitte Anschluss S3 wählen oder Motor ändern.“ Bieten Sie eine Lösung mit einem Klick an. Zeigen Sie den sicheren Weg wie ein Navi für den komplexen Vertrieb.
Anti-Pattern: Die Entwickler-Werkbank. Eine Benutzeroberfläche, die das Datenmodell zur Schau stellt, anstatt die Entscheidung zu unterstützen, die der Vertriebler treffen muss. Großartig für Architekten, fatal für den Deal.
Regel 4: Fakten schlagen Meinungen. Messen Sie das Vertrauen. Erfassen Sie, wie oft manuelle Korrekturen angefragt werden, wie oft auf „Warum?“ geklickt wird und welche Regeln zu Abbrüchen führen. Diese Kennzahlen gehören auf Ihr wöchentliches Dashboard.
Ein simples Beispiel: Fügen Sie eine Checkbox „Mit gutem Gefühl versenden“ ein. Wenn ein Vertriebler sie abwählt, fragen Sie nach dem Grund. Die Antworten sind Ihr Backlog für die nächsten Sprints.
Regel 5: Logik ist notwendig, die Erklärung entscheidet. Wenn ein Produktkonfigurator nur auf symbolischer Logik basiert, liegt der Gedanke nahe, dass mehr Regeln automatisch mehr Vertrauen bedeuten. Das ist falsch. Vertrauen entsteht durch sichtbare, benannte und nachvollziehbare Regeln – gepaart mit kurzen Texten, die dem Vertriebler erklären, was passiert ist und was als Nächstes zu tun ist.
Jede Regel, die eine Auswahl blockiert, braucht einen verständlichen Namen und eine Begründung in einem Satz, die man notfalls in die Angebotsnotizen kopieren kann. Die Logik sichert die Korrektheit. Die Erklärung sichert die Akzeptanz.
Korrektheit ist die Basis. Vertrauen ist das Ziel.
Was jetzt zu tun ist
1) Machen Sie die Logik sichtbar. Bauen Sie „Warum?“-Links für jede Validierung und Preiskomponente in Ihr CPQ-System ein. Zeigen Sie den Regelnamen und einen Lösungshinweis. Fügen Sie eine Preisaufschlüsselung hinzu, die Basispreis, Optionen, Rabatte und Freigaben darstellt. Wenn Ihre Plattform das nicht hergibt, ist das Ihr erstes Problem, das Sie lösen müssen.
2) Reduzieren Sie den Umfang, um Vertrauen zu schaffen. Identifizieren Sie die meistverkauften Konfigurationen und machen Sie diese absolut wasserdicht. Entfernen Sie verwirrende Sonderfälle aus dem Standard-Workflow und schaffen Sie einen einfachen Eskalationspfad für den Rest. Bauen Sie Glaubwürdigkeit auf, bevor Sie erweitern. Fortschritt schlägt Perfektion.
3) Messen Sie Akzeptanz, nicht Features. Packen Sie die tägliche Nutzung, Abbruchraten, manuelle Angebotsanfragen und die Anzahl der „Warum?“-Klicks auf eine einzelne Seite. Besprechen Sie diese wöchentlich mit Vertrieb und Produktmanagement. Beobachten Sie, ob sich diese Vertrauensindikatoren nach einer Änderung bewegen. Wenn nicht, haben Sie nur Lärm produziert.
In einem Projekt haben wir einen einfachen Test gemacht: Wir haben einen Vertriebsmitarbeiter bei fünf echten Kundengesprächen begleitet, mit der Stoppuhr in der Hand. Gemessen haben wir: Zeit bis zur ersten validen Konfiguration, Anzahl der unerklärten Blockaden und ob der Mitarbeiter den Preis ohne Hilfe erklären konnte. Dieses Vorgehen hat uns genau gezeigt, was zu tun war – ganz ohne Workshop.
Falls Sie gerade auf das perfekte Pricing warten: Lassen Sie es. Perfektes Pricing ist ein Mythos. Lernende Systeme gewinnen. Sie werden Ihre Margen mit einem funktionierenden CPQ, das Feedback erfasst, schneller verbessern als mit einem weiteren Quartal voller Diskussionen über Excel-Tabellen.
Und wenn jemand vorschlägt, die Regeln rauszureißen, damit „die KI das regelt“: Erinnern Sie ihn daran, dass auch KI auf Logik angewiesen ist. Eloquente Schätzungen schließen keinen Deal ab. Klare Regeln, gepaart mit intelligenter Unterstützung, schon.
Akzeptanz ist die einzige Kennzahl, die wirklich zählt.
Ein korrektes Angebot, das nie versendet wird, ist wertlos. Die einzige Arbeit, die zählt, ist, ein System zu bauen, dem der Vertrieb vertraut.
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